Goreminister (Solo)

 

 

Heute hab ich mal ein etwas anderes (eigentlich nicht wirklich) Interview für euch. Diesmal ist es keine Band, wenn auch Mitglied einer solchen, sondern mal ein Typ, der uns mit netten Videos auf Youtube nicht nur unterhält, sondern auch eine Meinung hat, die er unters Volk bringt. Zu wenig Einsatz für die “Szene” kann man ihm wirklich nicht vorwerfen, sei es für die metallische oder die nerdige.

 

Erst mal Hallo, und danke das du für mich etwas Zeit findest. Falls es wirklich jemanden hier geben sollte, der dich noch nicht kennt, sag ihm mal bitte wer du bist.

Goreminister: „I’m nobody. I’m a tramp, a bum, a hobo. I’m a boxcar and a jug of wine. And a straight razor …if you get too close to me.” Nein, aber mal im Ernst; Ich bin echt nur einer von diesen Typen der meint sich künstlerisch betätigen zu müssen und das tu ich vorrangig natürlich mit der Band Kadaverficker und ansonsten mit Videos, die ich via Youtube ins Internet rotze.

 

Auf Youtube (Goreminister) gibt es dich ja jetzt seit knapp 13 Jahren, trotzdem hast du “nur” knappe 4500 Abos. Ist die Welt einfach noch nicht assi genug um einem Goreminister den großen Erfolg zu bringen?

Goreminister: Das stimmt! Ich bin zwar seit 13 Jahren auf der Plattform angemeldet, aber nutze sie für die Art von Videos, wie ich sie jetzt erstelle, ja erst seit rund 4 Jahren. Vorher habe ich Youtube immer nur dazu genutzt um ein paar „witzige“ Videos mit Freunden zu teilen. Da stand gar keine große Intention dahinter. Davon ab denke ich, dass die Welt durchaus assig genug ist, nur leider nicht charmant assig, was ein großer Unterschied ist.

 

Wie ich mitbekomme, bekommst du ja recht viele “Pings” von Fans zugeschickt. Welches war denn bisher das schlimmste, oder ist Bier immer gut?

Goreminister: Wie sage ich stets? Kein Bier ist illegal! Und so wirklich Schlimme habe ich noch nicht getrunken. Gott sei Dank wählten meine Zuschauer bislang weise und haben mir nur edle Tropfen zukommen lassen. Ein Bier muss aber schon richtig scheiße sein, bis ich sage das es nicht schmeckt. Und dann wird es trotzdem ausgetrunken. Aber ein Zweites gibt es danach nicht mehr.

 

Wie kommt man denn eigentlich auf die Idee, als jemand der selbst Musiker ist, Reviews zu anderen Bands zu machen?

Goreminister: Anfangs wollte ich einfach nur Bands und Musik vorstellen, die mir selber gefällt. Doch mit der Zeit kamen immer mehr Bands auf mich zu und wollten meine Meinung zu ihrem Kram in Videos hören. Da dachte ich mir; Okay, ich bin zwar jetzt nicht der Musikpapst, aber wenn ihr das wollt… dann gerne! So kam es dazu und da ich selber Musik mache, kann ich gewisse Zusammenhänge innerhalb der jeweiligen Musik nachvollziehen. Ich denke dadurch ergibt sich dann immer ein rundes Bild, welches natürlich niemals ganz objektiv ist, aber das ist auch unmöglich.

 

Bist du eigentlich dankbar für Corona? Schließlich eröffnet es dir ja, dank der vielen Konzertabsagen und da auch viele Menschen sich einfach nicht mehr getrauen aus dem Haus zu gehen, die Möglichkeit an eine Menge neue Abos zu kommen, denn Unterhaltung im Metal-Bereich will man ja auch in solchen Zeiten dann daheim haben.

Goreminister: Dafür bin ich überhaupt nicht dankbar, denn es betrifft nicht nur meine Band, sondern auch eine Vielzahl von befreundeten Veranstaltern, Musiker, Kneipenbetreibern, und und und. Das ist mal eine mega beschissene Situation und ich selber gehe auch viel zu gerne unter Menschen und auf Konzerte. Da kann ich so was gar nicht gebrauchen; Scheiß auf die Abos in so einer verkackten Lage.

 

Du hast ja jetzt sicher eine ganze Menge Zeit altes Videomaterial aufzuarbeiten, denn an neues und aktuelles kommst du ja dank Corona sicher nicht so schnell für deine “Durch die Nacht”-Folgen? Und in wieweit wirft es, falls du überhaupt welche hast, deine Planungen durcheinander?

Goreminister: Da ich nie großartig plane, wirft das auch für mich nichts durcheinander. Klar, ich hatte natürlich geplant dieses oder jenes Konzert zu besuchen, aber das kann ich mir kann ja wohl knicken. Da tun mir eher die Bands leid, die alles absagen müssen. Die Welt wird schon nicht untergehen, nur weil es keine neuen „Durch die Nacht“-Episoden gibt. Dann muss ich mir eben etwas anderes einfallen lassen, aber ich bin ja ein kreativer Mensch und da wird mir schon etwas einfallen. Altes Material habe ich dummer Weise nicht wirklich, da ich immer so gut wie alles aus den jeweiligen Aufnahmen quetsche. Aber mal sehen… Vielleicht gibt das Archiv noch etwas her.

 

Hast du es bei deinen “Durch die Nacht”-Folgen eigentlich einfacher dadurch, dass du selbst Musiker bist? Ich meine, da kommst du doch sicher einfacher oder überhaupt in Bereiche die jemandem als normaler Gast oder jemand der gerade erst in dem Bereich anfängt oder anfangen will versperrt bleiben.

Goreminister: Das mag sein, aber viele meiner Mitmusiker kenne ich ja ohnehin, weil man sich in der Szene des öfteren über den Weg läuft, bzw. selber Konzerte zusammen spielt. Das erleichtert logischer Weise eine Menge, aber mir geht es eben darum als eine Art „Chronist der Szene“ zu fungieren, um Erinnerungen für Bands, Fans und sonstige Interessierte zu schaffen. Wie oft sitzt man in einer Runde und sagt „Weißt du noch damals…?“ Und mit den Videos kann ich diese Erinnerungen für die Menschen vielleicht etwas lebhafter aufrechterhalten. Das ist eigentlich mein Antrieb bei der ganzen Sache.

 

Mittlerweile muss man ja sagen, bist du “nebenbei” noch Sänger (wenn man es so nennen will) bei einer Grind-Core Band mit dem fröhlichen und freundlichen Namen “Kadaverficker” und machst auch noch Art-Works und Videos für andere Bands. Was macht aber ein Goreminister hauptberuflich, wenn er nicht Goreminister ist? Bankangestellter oder Versicherungsvertreter bist du ja sicher schon mal nicht.

Goreminister: Also, das muss ich richtig stellen. Ich bin nebenher auf Youtube aktiv, bin aber in erster Linie Musiker. Das ist, was mich all die Jahre angetrieben hat. Ich meine, was ist Youtube? Einsen und Nullen im Netz und wenn Youtube keinen Bock mehr hat und die Server runterfährt, ist alles auf einmal weg. Eine veröffentlichte Vinylplatte bleibt und wenn man acht darauf gibt auch ein Leben lang. Von daher ist und bleibt die Musik immer das Wichtigste in meinem Leben. Youtube ist ein netter Nebeneffekt, den ich natürlich auch ernst nehme, aber Musik geht immer vor. Konnte ja keiner ahnen, dass sich die Leute so rege dafür interessieren, was ich so von mir gebe. Das ehrt mich natürlich. Aber um auf die Frage zurück zu kommen, was ich beruflich mache. Nun, das sage ich nie klar und deutlich, aber man kann mich als Vertreter für Arbeitsrecht bezeichnen. Das sollte reichen.

 

Quickies (Antworte so kurz wie möglich):

Fuß vom Schwein oder Kopf vom Salat?

Goreminister: Fuß muss rein!

 

50-Besucher-Kneipengig oder 20000+ Festival?

Goreminister: 20000+ Festival (Kadaverficker), bzw. 50-Besucher Kneipengig (Youtube)

 

Metal only oder hörst du “privat” auch anderes (Synthwave mal ausgenommen)?

Goreminister: Meine musikalische Vielfalt ist sehr breit gefächert. Ihr würdet euch wundern…

 

Jack (Destillat aus Gerstenmalz) oder Johnny (Räucherstäbchen aus Hanf)?

Goreminister: Immer Jack, da bin ich traditionell!

 

Eins davon darfst du nicht mehr sammeln und schauen: Star Wars oder Godzilla?

Goreminister: Harte Wahl! Aber Disney erleichtert mir die Entscheidung: Kein Star Wars mehr!

 

Ich klinke mich hier jetzt aus und Überlasse dir die Bühne, damit du los werden kannst was auch immer du willst, denn du hast ja bestimmt auch was zu sagen, was bisher nicht gefragt wurde, sei es von mir oder anderen oder du auf deinen Kanälen noch nicht los geworden bist.

Goreminister: Was soll ich sagen? Ich kann nur jeden ermutigen zu tun, was er möchte. Du willst eine Band gründen? Bekomm den Arsch hoch! Du willst Youtube machen? Bekomm den Arsch hoch! Du willst schreiben? Bekomm den Arsch…oh wait… Na ihr wisst was ich meine. Glaubt immer an das was ihr tut, aber erwartet niemals, dass euch etwas geschenkt wird. Engagement, Leidenschaft, Idealismus und Willen verhelfen aber immer dazu, in irgendeiner Weise das zu erreichen, was man sich vorstellt. Und mag es auch manchmal lange dauern…

 

 

 

Cloudbreaker

Und auch direkt wieder eine sehr vielversprechende Band aus Hessen, diesmal “Cloudbreaker” aus Marburg.

Dann mal ein Gude nach Marburg und Umgebung.
Da ihr mit “Confinement is Finite” am 05.01.2019 Premiere gefeiert habt, kennen euch ja wohl leider noch nicht so viele außerhalb der Region, ändert ihr das mal kurz?

Wir sind dran. Gladenbach-Runzhausen 13.07, Siegen 31.08, danach die Welt.

 

Wie mir aufgefallen ist, scheint 2019 ja der Tod in der hessischen Einöde zu erwachen. Neben euch haben ja auch “Corrosive” und “Bloodjob” dieses Jahr bereits die Welt um ein paar CDs reicher gemacht und auch “Spreading Miasma” ist zumindest Live noch aktiv. Habt ihr euch da abgesprochen, oder ist das eher Zufall? Erfreulich ist es so oder so.

Es handelt sich um eine rein zufällige Verschwörung, deren Ziel es ist, die Mittelhessische Idylle mit Blastbeats und Growls wieder zum Leben zu erwecken.

 

Da es euch ja schon seit 2011 gibt, wundert es mich etwas, dass ihr erst 2019 mit einem Album kommt, 2015 gab es zwar ein Demo, aber Demos zähl ich jetzt nicht wirklich.

Das ist wie guter Wein… das brauch halt seine Zeit. Von der Bandgründung bis heute, ist ein weiter Weg. Abgesehen davon, dass das erste livetaugliche Lineup erst 2014 zustande kam, mussten wir uns viel Können und Wissen aneignen um das Material in einer, für unser Maße, würdigen Produktion der Welt zu präsentieren. Der leicht masochistische drang zum DIY hat den Prozess sicherlich nicht verkürzt. Wir haben viel gelernt und die nächsten Produktionen werden bestimmt nicht so lange auf sich warten lassen. Man munkelt sogar, dass dieses Jahr noch ein Paar Singles erscheinen werden.

 

Ist zwar im Grunde jetzt die gleiche Frage die ich “Bloodjob” (hier) gestellt habe, aber natürlich sind mehrere Meinungen immer besser. Wie seht ihr das mit dem Locationsterben bzw. mit den immer weniger werdenden Veranstaltungen und Konzerten? Ich meine, das “AK44” oder “Jokus” in Gießen haben in den letzten Jahren, gerade im Bereich Metal, gerade zu gegeizt, das “Til Dawn” in Marburg ist seit Ende April dicht und das “KFZ” knausert auch ganz gewaltig.

Locationsterben ist leider Realität und man kann das an vielen Orten beobachten. Hoffentlich gibt es da bald eine Wende, sonst müssen wir Konzerte per Youtube-Livestream geben und wir machen das schon ganz gerne lieber ganz klassisch auf der Bühne, vor dem Publikum.

 

Was treibt ihr neben “Cloudbreaker” so, falls ihr es verraten wollt? Job? Nebenprojekte? Julian lassen wir da mal außen vor, seine Tage könnten sicher paar mehr Stunden wie 24 gebrauchen und retten kann er sich vor Anfragen und Nebenprojekten wohl auch nicht 😀

Oh je, mit der Frage kann man ja fast ein eigenständiges Interview füllen. Arbeiten, Studieren, ausgebildet werden, in anderen Bands aktiv sein und kuriose Hobbys haben.

 

Wenn ich mich auf Konzerten so umschaue, ist mir aufgefallen, dass bei eher klassischem Death und Melodic Death Metal, zu dem ich euch jetzt auch mal zähle, doch die Masse der Zuschauer jenseits der 30 sind und bei Brutal Death Metal und Deathcore eher die U20 bis Ende 20er zu finden sind. Ist das nur mein Eindruck?

Ist was dran. Das liegt mit daran, dass klassischer Death und Melodic Death Metal eher in den 80ern und 90ern heiß waren und Brutal Death und Deathcore eher in den 00ern und 10ern groß wurden. Aber, hey, wir sind bis auf unseren Bassisten Niko U30…

 

Der Sound der “Confinement is Finite” erinnert mich extrem stark an die späten 90er und frühen 2000er. Ist das von euch gewollt? Und wenn ich mich nicht ganz arg verhaue, höre ich nicht gerade wenige Einflüsse aus eher Melodic/Symphonic Black Metal aus genau dieser Zeit. Instrumental wie auch bei den Vocals.

Wir haben zwei Entscheidungen getroffen, die mit für diesen Eindruck verantwortlich sind. Wir wollten, dass das Mastering nicht jegliche Dynamik auf dem Altar des Loudness-Wars opfert und wir haben nicht – wie in modernen Produktionen leider üblich – alles zu Tode editiert. Wir sind mit diesen beiden Entscheidungen und dem Resultat sehr zufrieden. Wenn es an die späten 90er oder 2000er erinnert, ist das aber eher ein Nebenprodukt.

Bei dem Sound haben wir einfach nur versucht einen Sound zu finden, der zu uns und dem Material passt. Dabei haben wir uns nicht bewusst an anderen Bands orientiert.

 

Die Scheibe habt ihr ja in Eigenregie veröffentlicht und ihr habt wie ich sehe, sowohl das Recording, Mixing und Mastering in insgesamt 4 verschiedenen Studios machen lassen. Hatte das einen speziellen Grund, oder war es terminlich oder anderen Gründen nicht anders machbar?

Recording, Mixing und Mastering sind drei völlig unterschiedliche Aufgabenbereiche und wir fanden es wichtig, diese auch unterschiedlichen Leuten zu überlassen, die jeweils darauf spezialisiert sind. Hinzu kommt, dass unser Budget limitiert war und wir schauen mussten, wo wir einen guten Preis kriegen für den Qualitätsstandart, den wir haben wollten.

 

Quickies (Antwortet so kurz wie möglich):
Fuß vom Schwein oder Kopf vom Salat?

Schnitzeldance

 

50-Besucher-Kneipengig oder 20000+ Festival?

Geil!

 

Metal/XCore only oder hört ihr privat auch Anderes?

Auch viel anderes, aber Metal  sagt der Nacken.

 

Jack (Destillat aus Gerstenmalz) oder Johnny (Räucherstäbchen aus Hanf)?

Irgendwo zwischen sowohl als auch und weder noch.

 

Live zu spielen ist für uns,
  1. einfach geil und machen wir so oft es geht
  2. notwendiges Übel um nicht vergessen zu werden und Merch zu verkaufen
  3. gehört einfach dazu, macht aber nicht immer Spaß
  4. Stress pur

Essenzieller Teil , also 1.

 

Ich klinke mich hier jetzt aus und Überlasse euch die Bühne, damit ihr loswerden könnt was auch immer ihr los werden wollt, denn ihr habt ja bestimmt auch was zu sagen, was bisher nicht gefragt wurde, sei es von mir oder anderen.

Ach, gut, dass du es fragst: wir machen ja eigentlich keine Cover, aber Vivaldi war einer der Pioniere des Metal-Gitarren-Geschredders. Daher haben wir den „Sturm“ aus den „Vier Jahreszeiten“ gecovert, als eine Hommage an die Anfänge sozusagen. Es könnte sogar sein, dass wir den letztens aufgenommen haben… aber psssht.

Ihr findet uns auf allen gängigen Musikplattformen. Wenn ihr uns unterstützen wollt, lasst uns gerne ein Like auf Facebook da und bestellt euch eine CD oder ein Shirt aus unserem Bandcamp-Shop:

https://cloudbreaker.bandcamp.com

 

 

 

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