Bleeding Heaven

 

Servus, stellt ihr euch mal kurz selbst vor?

Moin, bin der Marc, 34 Jahre alt, Sänger und Sprachrohr der Band. Ansonsten gehören zur Band „Dok“ Thorsten (Drums), „Onkel“ Heinz (Gitarre), Andre (Gitarre) und Thomas (Bass).

 

Euch gibt es ja jetzt schon seit 2007, das erste richtige Album kam aber erst 2015, was habt ihr die 8 Jahre dazwischen getrieben?

Während der ersten Jahre gab es immer wieder Lineupwechsel innerhalb der Band, so dass wir vorerst nur Demos und EPs veröffentlicht haben. Als dann fast genügend Material für das erste Album fertig war, haben uns unser damaliger Bassist Robin und unser zweiter Sänger Patrick ziemlich zeitgleich in Richtung ihrer alten Band “Call of Charon” verlassen. Also wurden wieder neue Leute gesucht, denen erneut das Material gezeigt und beigebracht und zack waren wir im Jahr 2015…

Mir ist aufgefallen, dass es verdammt viele Bands im Brutal (Slamming) Death Metal oder Deathcore im, ich nenne es einfach mal so, “erweitertes Ruhrgebiet” gibt. Inwieweit unterstützt man sich da gegenseitig oder ist es hinter den Kulissen eher ein Konkurrenzkampf um Gigs? Gut vernetzt sind die Bands dort ja untereinander Recht gut, jedenfalls kommt es mir von außen so vor.

Wir sind froh ein Teil der NRW Death Metal Familie zu sein. In der Regel unterstützen wir uns da alle gegenseitig. Ich veranstalte zum Beispiel 1-2 mal im Jahr ein lokales Konzert bei uns in Recklinghausen und eins im Helvete in Oberhausen und lade da immer mindestens 2-3 befreundet NRW Bands ein. Ab und zu bekommen wir dann auch einen Gig dafür von den Bands zurück. Es ist ein Geben und Nehmen, über das sich fast niemand beschweren sollte.  Die Szene wäre mittlerweile nicht so groß, wenn jede Band nur an sich denken würde und sich niemand helfen würde.

In euren Anfangszeiten wart ihr ja (finde ich jedenfalls) mehr Richtung Metalcore/Deathcore ausgerichtet (Demos). Habt Ihr euch bewusst mehr in Richtung Brutal Death Metal bewegt oder war das eher eine Entwicklung die von alleine geschah?

Die Entwicklung entstand ganz bewusst. Nachdem Patrick damals ausgestiegen ist, er war maßgeblich am Songwriting beteiligt, wollten wir alle einfach keinen Deathcore mehr machen und haben uns mehr und mehr in die Richtung entwickelt, die wir selbst privat hören.

Leider seid ihr Live nicht gerade die aktivste Band (im Vergleich zu anderen aus eurer Nähe). Wegen Beruf, Nebenprojekten zu stark eingebunden? Wollt ihr gar nicht so oft auf der Bühne stehen oder will Euch (für mich unbegreiflich) keiner?

Eigentlich wollen wir so oft es geht auf der Bühne stehen, aber leider sind Giganfragen eher mau bei uns. Die ganzen Festival Bewerbungsdeadlines verpeilen wir meistens, oder wir bekommen von bestimmten Festivals jahrelang nur Absagen. Ich glaube bei dem einen Festival sind wir nun 6 Jahre lang dabei uns erfolglos zu bewerben. Soll wohl einfach nicht sein, warum auch immer. Die Gründe für die Absagen waren nämlich immer andere. Die Gigs die wir zur Zeit spielen sind entweder selbst organisiert oder von befreundeten Bands, wie “Orphalis” zum Beispiel. Wochenlang auf Tour gehen, wie “Stillbirth” oder “Obsolete Incarnation”, können wir aus beruflichen und familiären Gründen einfach nicht, auch wenn wir zu gerne wollen. Hinzu kommt, dass wir auch nicht mehr die Jüngsten sind.

Ihr seid ja jetzt auch, bis auf einen Ausreißer, Mitte bis Ende 30. Was waren/sind eurer Meinung nach die für euch prägenden Bands, privat wie auch in eurer eigenen Musik? Devourment denke ich mal steht relativ weit oben, jedenfalls wenn man sich das Cover eurer ersten Scheibe “World eating Anomaly” anschaut, der “Spike Dude” spricht da für mich klare Worte.

Es gibt Unmengen an Bands, die uns privat gefallen und uns zu neuen Stücken inspirieren. Bands wie “Suffocation”, “Dying Fetus”, “Nile”, “Aborted”, “Waking the Cadaver”, “Devourment” oder “Ingested” um nur ein Paar zu nennen. Jeder von uns hört mehr eine bestimmte, ich sag mal Art von Death Metal, als der andere. Der eine mag es technischer, der andere mehr ältere Death Metal Sachen und der nächste mehr Slam und Grind. Alles zusammen ergibt dann “Bleeding Heaven”.

Die Möglichkeiten für Bands ihr Material zu produzieren und zu veröffentlichen sind ja in den letzten Jahren geradezu explodiert (PC und Software macht fast alles Möglich mittlerweile und Studioaufnahmen sind auch nicht mehr so teuer wie sie mal waren und deren Anzahl steigt ja auch stätig, Qualität mal außen vor). Dadurch kommt natürlich auch jede Menge mehr Material in irgendeiner Form an die Hörer, allerdings auch sehr viel mehr (meiner Meinung nach) Mist, oder Sachen die früher nicht mal als Demo (in der Qualität) durchgegangen wären. Alleine in der Dunstwolke rund um Death Metal kommen ja mitunter bis zu 30 Alben/EPs die Woche auf den Markt, viele auch nur als Digitalversion, kostet die Band/Künstler ja nichts im Vergleich zu einer CD/LP. Wie seht ihr diese Entwicklung und was tut ihr oder wollt ihr tun um aus diesem “Sumpf” heraus zu stechen?

Ich glaube es ist sehr schwer aus der heutigen breiten Masse heraus zu stechen. Was dagegen machen? Gute Frage – nächste Frage… wahrscheinlich indem man bei seinem eigenen Style bleibt und nicht den 103848. Slam Song veröffentlicht, der sich kaum oder gar nicht von anderen Bands unterscheidet.

Was so den Metalbereich als Ganzes angeht, ist ja schon seit einigen Jahren ein Locationsterben zu verzeichnen (sehe ich im Rhein-Maingebiet bis Koblenz so). Viele Clubs machen dicht oder nehmen immer mehr Veranstaltungen aus anderen Bereichen (StandupComedy, Lesungen, PoetrySlams, ganz andere Musikrichtungen, usw.) ins Programm und “richtige” Konzerte werden immer mehr verdrängt. Eigentlich auch Verständlich, gehen die Besucherzahlen doch seit Jahren runter und steigt doch dadurch das Risiko gerade für kleinere Veranstalter. Der Trend geht, meiner Beobachtung nach, zu weniger aber größeren Events (mehr Bands am Abend, eher bekanntere Bands). Wie sieht das bei euch im Ruhrgebiet aus und wie seht ihr das als Band oder privat von der anderen Seite der Bühnenbegrenzung?

Es ist echt schade zu sehen, wie mehr und mehr Locations schließen. Bald bleiben nicht mehr viele Orte übrig um ein kleines Konzert mit befreundeten Bands zu veranstalten, außer man tritt zum 43. mal in der gleichen Location auf. Mal ehrlich, wer will das schon? Bei uns im Ruhrpott ist zum Glück in der Regel jedes Wochenende irgendwo ein Konzert, wo man hingehen und Freunde treffen könnte. Nur als Band selbst hat man es da etwas schwerer. Oft sind größere Gegenveranstaltungen, wenn man selbst ein Konzert organisiert. Klar schauen wir dann  immer, dass wir ein Wochenende erwischen wo nichts in der Nähe zeitgleich stattfindet, aber selbst darauf kann man sich nicht mehr verlassen. Glaube im letzten Jahr war es, wo dann eine Woche vor unserer Show bekannt wurde, dass “Suffocation” ein paar Kilometer weiter zeitgleich mit uns spielen. War dann ein bisschen doof, haha

 

 

Quickies (Antwortet so kurz wie möglich):

Fuß vom Schwein oder Kopf vom Salat?

Schweinefuß, aber nur frisch vom Metzger des Vertrauens

 

50 Besucher-Kneipengig oder 20000+ Festival?

Beides kann super viel Spaß machen

 

Metal only oder hört ihr privat auch anderes?

Größtenteils Metal, aber auch andere Sachen, klar.

 

Jack (Destillat aus Gerstenmalz) oder Johnny (Räucherstäbchen aus Hanf)?

Captain Jack!

 

Live zu spielen ist für uns,
  1. einfach geil und machen wir so oft es geht
  2. notwendiges Übel um nicht vergessen zu werden und Merch zu verkaufen
  3. gehört einfach dazu, macht aber nicht immer Spaß
  4. Stress pur

Antwort 1!

 

Ich klinke mich hier jetzt aus und Überlasse euch die Bühne, damit ihr loswerden könnt was auch immer ihr los werden wollt, denn ihr habt ja bestimmt auch was zu sagen, was bisher nicht gefragt wurde, sei es von mir oder anderen.

Danke erst einmal für das Interview. Hat echt Spaß gemacht. Eigentlich ist alles gesagt. Außer: Bucht uns für eure Show! Geht zu kleinen, lokalen Konzerten und unterstützt die Bands. Kauft ihr Merch! Lasst das Handy während der Show in der Tasche und habt Spaß!! Danke für euren Support in  den letzten Jahren!

 

 

 

Links zur Band:

             

 

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