Call of Charon

 

 

Auch wenn es euch schon seit 2007 gibt, gibt es doch einige die euch noch nicht kennen, stellt ihr euch denen mal kurz selbst vor?

Patrick: Hi Ingo, also wir sind Call of Charon aus Duisburg und stilistisch im Death Metal / Deathcore Bereich anzusiedeln. Die Band gibt es bereits seit 2007, jedoch haben wir gerade erst unser Debütalbum aufgenommen. Ich bin der Patrick und übernehme bei uns den Gesang. Außer mir gibt es noch Arthur und Tobi an den Gitarren und Christoph an den Drums. Einen festen Bassisten haben wir derzeit nicht, auf Liveshows hilft uns unsere Freundin Michelle aber momentan aus.

 

Veröffentlichungen sind ja bei euch etwas rar (eine EP 2007, 2 Split und eine Single 2017), trotz 12 Jahren Bandbestehen. Zwischen der 2008 erschienen Split “Unholy Alliance” zusammen mit “For Those Unseen” und der 2015er Split “The Takeover” mit Mortal Hatred” klafft zudem noch eine gewaltige Lücke. Was habt ihr in der Zeit getrieben, seid ihr einfach faul was Songwriting angeht, denn Live wart ihr in der Zeit ja noch relativ aktiv? Und warum kommt erst 2019 das erste Album? 

Patrick: Da kann ich dir grundsätzlich erstmal nur Recht geben. Wir waren leider schon immer eine Band, die viele Besetzungswechsel mitgemacht hat – das zögert gewisse Dinge dann immer unnötig in die Länge. Als wir die Band gegründet haben, haben wir die ersten beiden Jahre direkt Vollgas gegeben: Veröffentlichung der ersten EP, kurz danach das erste Split Album und dutzende Konzerte – doch Ende 2008 hat sich die Band zerschlagen. Bis 2014 gab es keine neuen Veröffentlichungen und nur sehr sporadische live Auftritte. Das lag vor allem daran, dass sich das Line-Up diverse Male neu finden musste.

Kurz darauf haben sich drei Musiker der Anfangsbesetzung wieder zusammengerauft und die Band „Full Time“ zurück gebracht: Mit neuem Label, neuer Split und vor allem deutlich mehr Konzertterminen. Von da an ging es dann auch eigentlich so richtig los. Wir haben in den vergangen drei Jahren mehr als 70 Konzerte gespielt und unsere alten Songs neu abgemischt wiederveröffentlicht. Im Hintergrund haben wir fleißig Material für unser lang geplantes erstes Full-Lenght zusammengestellt. Ende 2017 haben wir dann den ersten neuen Track veröffentlicht und uns dann im vergangen Jahr im Tonstudio eingenistet um das Album aufzunehmen.

 

Was eure aktuelle Single “Antigone´s Farewell” (2017) angeht hab ich ein paar ganz große Fragezeichen über meinem Kopf schweben. Ich hab den Song ja jetzt (leider) nur auf Bandcamp angehört, über eure Bandseite dort und über die von “Kernkraftritter Records”. Jetzt aber die Fragen: War euer Basser Robin beim Einspielen des Songs überhaupt anwesend oder hat er vergessen seine Kabel in die richtigen Steckdosen zu stecken? Und warum ist der Sound generell so hoch, blechern und drucklos, vor allem bei den Drums? Außer dem Sound ist der Song klasse, aber der Ton macht für meinen Geschmack doch einiges kaputt. 

Patrick: Empfindest du den Sound tatsächlich als so schlecht? Ich mein, natürlich kann man die Single in keinster Weise mit den Albumaufnahmen vergleichen. Das Ganze war eher als Lebenszeichen bzw. Startschuss gedacht. Wir haben den Song zusammen mit einem Kumpel aufgenommen und waren mit dem Ergebnis aber durchaus zufrieden. Der wenig dominante Bass hat aber tatsächlich nichts damit zu tun, dass wir uns vor kurzem erst von Robin getrennt haben ;-).

Unser neues Album wurde von Zack Ohren gemixt und gemastert – da kann ich dir versprechen, dass zwischen all unseren bisherigen Veröffentlichungen und dem neuen Material wirklich Welten liegen. Zack hat seine talentierten Finger bereits bei “Machine Head” oder auch “All Shall Perish” und “Fallujah” im Spiel gehabt – das wird man auch bei unseren Songs merken. Versprochen!

 

Wenn ich mir so anschaue, wie viele Bands es momentan so auf dem Markt gibt und wie viele Alben monatlich den Markt regelrecht fluten hab ich manchmal den Eindruck, es gibt mindestens gleich viele Bands/Musiker wie Hörer. Wie seht ihr das? Wie soll man als Hörer da noch gescheit Filtern können, alles anhören oder gar kennen kann man gar nicht. Dadurch geht natürlich manchmal so manches eigentlich gute Album oder Band in der Masse unter.

Patrick: Das sehe ich sehr ähnlich. Es gibt bedeutend mehr Bands als noch vor 20 oder auch zehn Jahren. Ich denke, das liegt sicher auch daran, dass es heute einfacher ist Musik aktiv zu machen als noch vor einiger Zeit. Instrumente sind günstiger zu haben, Proben können aufgrund von leistungsstarker Software zuhause abgehalten werden und es findet ein viel besserer und schnellerer Austausch untereinander statt. Grundsätzlich finde ich das aber eine gute Sache. Sind wir doch mal ehrlich: Wirklich gute Bands setzen sich durch und werden ja auch noch von vielen Menschen gehört. Die reine Masse an Bands sorgt ja eigentlich nur für eine gewisse Auslese. Das tolle dabei ist, dass es heute so einfach ist, neue Bands zu entdecken und kennen zu lernen. Allerdings muss man sich darauf natürlich auch einlassen wollen. Ich kaufe beispielsweise auch nach wie vor noch „blind“ neue Alben.

 

Um aber nochmal auf euer kommendes Album zurück zu kommen, da habt ihr euch mit Zack Ohren ja jemanden an Land gezogen, der sein Handwerk an den Reglern extremst gut versteht. Könnt ihr schon was bezüglich Releasetermin, evtl. geplanter Tour oder Einzelgigs 2019 verraten?

Patrick: Leider nein. Das große Geheimnis wird aber bald gelüftet. Die gesamte Produktion hat sich zugegeben auch deutlich länger hingezogen als ursprünglich geplant. Unser Studioaufenthalt hat sich um gut zwei Monate verlängert, dann hat Zack länger als geplant für den Mix gebraucht, da er zwischenzeitlich mit “Machine Head” die neuen Studio Videos gemacht hat und zu guter Letzt haben wir uns auch bewusst etwas Zeit dabei gelassen abzuwägen, wer aus unserer Sicht denn der beste Partner ist, um das Album zu veröffentlichen. Wir haben immer gesagt: Wenn wir ein Album machen – dann richtig. Und das haben wir konsequent durchgezogen. Angefangen von wirklich absoluter Detailverliebtheit bei den Aufnahmen, über die Erstellung des Artworks bis hin zum Release an sich. Dafür können wir aber stolz und selbstbewusst sagen, das dass Album ganz genauso geworden ist, wie wir es uns von Anfang an gewünscht haben und auch genauso veröffentlicht werden wird!

 

Was treibt ihr neben der Band noch so, Nebenprojekte, Job, privat?

Patrick: Da sind wir eher unauffällig unterwegs. Wir sind alle berufstätig – in den völlig verschiedensten Bereichen – vom Sparkassenberater bis zum Vermessungstechniker. Wenn wir ausnahmsweise mal nicht mit der Band unterwegs sind, bekommen wir unsere Köpfe vor der Konsole, bei der Fotografie oder auch beim Zeichnen frei. Wir versuchen unseren Partnerinnen nebenbei noch die Aufmerksamkeit entgegen zu bringen, die sie verdienen und bedanken uns an der Stelle ganz herzlich bei unseren Liebsten, dass sie so viel Verständnis für uns haben und das alles schon so lange mit uns mitmachen <3

 

Welche Bands haben euch denn so als Band aber auch privat am meisten beeinflusst?

Patrick: Die Frage ist gar nicht mal so leicht zu beantworten, da wir durchaus unterschiedliche Hörgewohnheiten haben. Es gibt aber natürlich schon ein paar Bands, bei denen wir alle eine ähnliche Begeisterung haben. Da fallen mir direkt “The Black Dahlia Murder”, “Thy Art is Murder” oder “Within Destruction” ein. Modern angehauchter Death Metal bzw. Deathcore ist schon ein Genre, auf das wir uns alle schnell einigen können. Vor allem die Älteren bei uns sind auch noch durch den klassischen Metalcore der Anfangszeiten geprägt, der ja auch immer gerne mal nach Schweden geschielt hat ;-).

 

Du (Patrick) und auch euer (Ex-)Basser Robin waren ja auch zwischenzeitlich bei “Bleeding Heaven” aktiv (wie man hier nachlesen kann). Hört sich für mich so an, als gab es da damals ein paar Probleme künstlerischer Art was die Ausrichtung der Band “Bleeding Heaven” angeht. Oder woran hat es gelegen, dass ihr wieder zurück zu “Call of Charon” gewechselt seid und “Bleeding Heaven” verlassen habt?

Patrick: Wir waren beide circa vier Jahre bei Bleeding Heaven und haben mit Marc, Andre und Heinz die Band quasi „aufgebaut“. Anfangs war die musikalische Ausrichtung schon noch sehr Deathcore lastig, das hat sich im Laufe der Jahre geändert, als mehr und mehr klassische Death Metal und auch Slam Einflüsse dazu gekommen sind. Als es Ende 2013 dann noch persönliche Differenzen untereinander gab, haben wir uns entscheiden, die Band zu verlassen. Das passierte alles in der Zeit, in welcher “Call of Charon” relativ inaktiv waren.

Mittlerweile besteht aber ein sehr gutes Verhältnis zwischen beiden Bands. Auf der zehnjährigen “Bleeding Heaven” Jubiläums-Show hatten die Jungs mich eingeladen, um einen alten Song mitzusingen, das war klasse. Wir planen für die nächste Zeit auch das erste Mal ein gemeinsames Konzert zu organisieren. Dafür wird es definitiv endlich mal Zeit!

 

Quickies (Antwortet so kurz wie möglich):
Fuß vom Schwein oder Kopf vom Salat?

Patrick: Vegetarier gibt es bei uns nicht, aber ein Schweinsfuß muss es – zumindest bei mir – dann eher nicht sein. Ich nehme hier tatsächlich den Salat!

 

50-Besucher-Kneipengig oder 20000+ Festival?

Patrick: Da würden wir wohl das Festival bevorzugen, einfach weil wir uns auf einer großen Bühne besser austoben können. Meist sind die Abläufe bei Festivals auch professioneller und besser getaktet, dadurch kann man sich mehr auf die eigentliche Show konzentrieren.

 

Metal/XCore only oder hört ihr privat auch Anderes (Blasphemie!!!)? 

Patrick: Auf jeden Fall wird auch viel Anderes gehört. Vor allem Rap & HipHop findet eigentlich bei jedem von uns regelmäßig seinen Weg in die persönlichen Playlisten.

Jack (Destillat aus Gerstenmalz) oder Johnny (Räucherstäbchen aus Hanf)?

Patrick: Die meisten von uns würden da wohl den Jack bevorzugen ;-).

 

Live zu spielen ist für uns,
1. einfach geil und machen wir so oft es geht
2. notwendiges Übel um nicht vergessen zu werden und Merch zu verkaufen
3. gehört einfach dazu, macht aber nicht immer Spaß
4. Stress pur

Patrick: Eine fette EINS! Das ist der Hauptgrund warum wir das alles machen.

 

Ich klinke mich hier jetzt aus und Überlasse euch die Bühne, damit ihr loswerden könnt was auch immer ihr los werden wollt, denn ihr habt ja bestimmt auch was zu sagen, was bisher nicht gefragt wurde, sei es von mir oder anderen. 

Patrick: Wir haben uns in den letzten Monaten weit aus dem Fenster gelehnt und lange und immer wieder unser Album angekündigt bzw. gehyped. Habt noch etwas Geduld, es wird sich wirklich lohnen. Das Album ist fertig, das Drumherum wie Artwork und Videos ebenfalls – wir warten nur noch auf den Startschuss unserer neuen Plattenfirma, das wir das Biest endlich von der Leine lassen können!

Kommt gerne auf unseren Konzerten im Sommer vorbei, wir teilen uns die Bühne mit starken Bands und spielen sicher den Ein oder Anderen neuen Song ;-).

Zum Schluss bedanke ich mich auf jeden Fall noch einmal bei dir für das Interview, die Fragen waren wirklich mal etwas Anderes und haben Spass gemacht.

 

Lineup:

Tobias Finkl – Guitars
Patrick Kluge – Vocals
Arthur Solich – Guitar
Christoph Knobloch – Drums

 

 

Links zur Band:

   

 

 

 

 

 

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