Reckless Manslaughter

Dann schick ich mal wieder Grüße in den Pott, dieses Mal aber an die klassische Death Metal Band “Reckless Manslaughter”.

Für diejenigen die euch seit 2008 noch nicht kennengelernt haben sollten, wer seid ihr?

Leimy:

Einmal im Schnelldurchlauf: “Reckless Manslaughter” sind Sebi an der Gitarre, Micha aka Pneumator an den Drums, Chris am Bass, Dennis an der Gitarre und meine Wenigkeit am Mikro. 2008 haben Micha und ich aus einer Bierlaune heraus beschlossen: „Lass uns doch mal eine Death Metal-Band gründen“. Daraufhin haben wir uns im Freundeskreis umgehört, wer noch Bock hätte und so waren Sebi und Chris ebenfalls schnell an Bord. Wir haben schließlich zwei Jahre im Proberaum herumgeschraubt und uns langsam an einen eigenen Sound herangetastet, der anfänglich noch etwas Brutal Death Metal-lastiger war, was 2011 im ersten Album „Storm Of Vengeance“ gipfelte. 2012 beschlossen wir unseren Sound durch einen zweiten Gitarristen aufzupeppen und durch die Empfehlung vom damaligen “Suffocate Bastard”-Gitarristen Othon sind wir dann auf Dennis gestoßen, der früher gemeinsam mit ihm bei “Depravity” musizierte und mal wieder Bock auf schnörkellosen Death Metal hatte. Es harmonierte auf Anhieb prächtig und so schrieben wir innerhalb kürzester Zeit das zweite Album „Blast Into Oblivion“, das von einer etwas klassischeren Death Metal-Ausrichtung geprägt war und zum ersten Mal auch doomige Elemente enthielt. In den folgenden Jahren spielten wir viel live, experimentierten mit unserem Sound, nahmen einige Demos und Splits auf und sind jetzt wieder voll da um euch mit unserem Lärm zu belästigen, hahaha.

 

Eure 3te Scheibe “Caverns of Perdition” (Review gibt es hier), hat ja vor wenigen Tagen das Licht der Welt erblickt. Im Gegensatz zu euren ersten 2 Scheiben “Storm of Vengeance” (2011) und “Blast into Oblivion” (2013) hat “Dan Swanö” diesmal nicht hinter den Reglern Platz genommen. Wie kam es zu dieser Änderung? Am Sound hat sich ja seit eurer ersten Scheibe, bis auf die Drums, auch dieses Mal nicht all zu viel geändert, was auch gut so ist.

Dennis: Die ersten beiden Alben wurden immer häppchenweise abends nach der Arbeit oder an Wochenenden aufgenommen. Diesmal wollten wir etwas Neues ausprobieren und uns komplett zwei Wochen am Stück nur auf das Album konzentrieren. Zum Jörg und “Soundlodge” sind wir auf Grund Empfehlungen befreundeter Bands gekommen. Und natürlich weil wir einige seiner Arbeiten kennen und mögen. Und ich muss sagen, dass die Entscheidung mit ihm zu arbeiten die absolut richtige war! Ein netter und entspannter Kerl der weiß was er an den Reglern tut!

Leimy: Genauso siehts aus. Mit Dan zu arbeiten war schon richtig cool, aber es war doch schon ein ganz anderes Arbeiten wenn man mehrere Tage am Stück konzentriert mit den Aufnahmen beschäftigt ist und man nicht durch andere Dinge abgelenkt wird. Jörg hat auch direkt verstanden welcher Sound zu uns passt und uns allerhand nützlicher Tipps mitgegeben. Wir haben auch erstmalig einen Drumsound auf Konserve, der absolut authentisch klingt.

 

Mir ist da was bei euren Alben aufgefallen, was ich jetzt einfach mal wissen muss. Nennt ihr absichtlich einen Song des jeweiligen Albums wie euer vorheriges Album? Und schreibt ihr bewusst für die Alben auch einen Song mit extremer Überlänge (“Iron Casket” mit 9:24 auf der “Blast into Oblivion” und “Funeralmaster” mit 10:57 auf der “Caverns of Perdition”)? Daran, dass euch sonst nichts einfällt und ihr einfach die Spieldauer der Alben nach oben treiben wollt, liegt es ja hoffentlich nicht.

Dennis: Hahahaha, gut aufgepasst! Ja, es ist tatsächlich so, dass der erste Song eines Albums immer so heißt wie der vorherige Release. Wenn also irgendwann ein Album namens ‘Nuclear Bunker Buster‘ angekündigt wird, weißt du, dass “Reckless Manslaughter” danach Geschichte ist. Dass wir auf „Blast into Oblivion“ und „Caverns of Perdition“ je einen überlangen Song haben ist hingegen Zufall. Im aktuellen Fall mit ‘Funeralmaster‘ hatten wir einfach Bock auf eine Doom-Walze. Wäre der Song z.B. nur 6 Minuten lang geworden, wäre das auch völlig in Ordnung gewesen. Wir setzen uns nicht hin und sagen „Wir schreiben jetzt einen Song der unbedingt die 10 Minuten Marke knacken muss”. ‘Stiffshifter‘ ist ein gutes Gegenbeispiel – in den 2 Minuten ist alles gesagt, da muss man dann nichts künstlich aufblasen oder verlängern.

Leimy: Hehe, ein aufmerksamer Hörer, sehr löblich 😉 Ich stehe drauf so kleine versteckte, wiederkehrende Trademarks einzubauen. So wirst du bei uns auch immer einen Cover-Song einer verblichenen NRWDM-Underground-Band hören. Auch wird jedes Mal mindestens ein Song von einer militärischen Operation handeln und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass beim nächsten Album wieder ein „into“ im Album-Titel ist 😉

 

Vermutlich letzte Frage zum neuen Album: Warum hat es jetzt fast 6 Jahre gedauert? Die 2 Split und Compilation-Beiträge in der Zwischenzeit lass ich jetzt nicht gelten. Das Lineup-Karussell hat euch auch nicht aus der Bahn geworfen, denn das steht erstaunlicherweise bei euch seit 2012 still, falls ich nicht irgendwas verbummelt hab.

Dennis: Nein, du hast nichts verbummelt. Wir sind tatsächlich stabil. Warum das neue Album so lange gedauert hat… tja, irgendwie haben sich verschiedene Verzögerungen einfach aufsummiert. Ein paar nicht beeinflussbare Umstände wie Schichtdienstpläne, Arbeitsunfälle, Fortbildungen, Familienleben etc. haben uns immer wieder bei der Probenhäufigkeit eingebremst. Was wir selber aber beeinflusst haben ist das Songwriting, für das wir uns diesmal bewusst viel Zeit genommen haben. Wir haben etliche Riffs, Melodien und Songstrukturen immer wieder überarbeitet oder auch verworfen, wenn wir gemerkt haben, dass es nicht zündet. Auf „Blast into Oblivion“ hätten wir rückblickend einige Songs knackiger gestalten können.

 

Live macht ihr, wie ich festgestellt habe, euch ja ein wenig rar. Bekommt ihr so wenige Anfragen oder könnt ihr aus privaten Gründen nicht ganz so oft eine Bühne entern? Und wie sieht es damit in Zukunft aus, so mit neuer Scheibe im Gepäck?

Dennis: Die Konzertanfragenquote war eigentlich immer gut, und wird jetzt mit Erscheinen von „Caverns of Perdition“ und den vielen positiven Reviews, sicherlich sogar noch zunehmen. Dann müssen die Konzerttermine „nur noch” an Tagen sein, wo uns kein Schichtplan, Prüfungsstress oder Familienurlaub einen Strich durch die Anfrage macht 😉

 

Da ihr ja, wie viele andere Bands mit denen ich so im Laufe der Zeit zu tun gehabt habe, aus dem Ruhrgebiet kommt, muss ich auch euch natürlich Fragen, wie ihr das “Überangebot” sowohl an Bands wie auch Veranstaltungen bei euch in der Ecke so seht und einschätzt. Gerade in Hinblick darauf, dass andere Ecken Deutschlands gerade zu ausgestorben sind oder in den letzten Zuckungen liegen.

Leimy: Eine gute Frage. Ein Überangebot an Veranstaltungen hat es in jüngerer Vergangenheit durchaus gegeben aber heutzutage ist eher das Gegenteil der Fall, da viele interessante Touren im Death Metal-Bereich das Ruhrgebiet und NRW oftmals großräumig umfahren. Ich denke das ist der Tatsache geschuldet, dass es inzwischen zu wenige Clubs in der Umgebung gibt, die sich für Death Metal öffnen. Und auch daran, dass nur wenige Leute noch den Arsch von der Couch hochkriegen, wenn mal ein Konzert in der Woche stattfindet. Es ist z.B. eine Schande, wenn eine gestanden Band wie “Incantation” vor 50 Nasen auftreten muss (so jüngst geschehen im “AJZ Bahndamm” in Wermelskirchen, als die Amis an einem Mittwoch einen fulminanten Gig hinlegten). Wenn ich zurückdenke, was vor 20 Jahren an einem Dienstag beim “No Mercy-Fest” in der Zeche Carl immer los war ist das schon irgendwie traurig. Aber vielleicht werde ich auch einfach nur alt und verbittert, hahaha.

Auch was Bands angeht ist es im Ruhrgebiet (zumindest im Death Metal-Bereich) eigentlich recht überschaubar. Spontan fallen mir da auch nur unsere Freunde von “Lifeless”, “Sabiendas”, “Suffocate Bastard”, “Orphalis”,  “Mortal’s Path” oder “Ressurected” ein.

 

Ich vermute mal, dass die größten Einflüsse für euch eher im nördlichen Europa der mittleren 90er zu finden sind. Jedenfalls hört es sich für mich so an und sieht auf euren Bandfotos auch so aus.

Dennis: Das sind zwar auch Einflüsse, aber nicht die einzigen. Eigentlich machen wir einfach nur den Death Metal auf den wir gerade Bock haben 😀

Leimy: Echt findest du? Klar es gibt hier und da ein paar schwedisch und vor allem finnisch klingende Passagen, aber der amerikanische Death Metal und auch britische Klänge der Marke “Bolt Thrower” oder “My Dying Bride” waren eigentlich dieses Mal die größten Einflüsse.

 

Mit “F.D.A. Records” habt ihr ja ein Label an Land ziehen können, das zu euch passen sollte, jedenfalls haben sie nicht gerade wenig (OldSchool) Death Metal Bands an der Leine, “Discreation”, “Obscure Infinity”, “Requiem”, Revel in Flesh” uns “Lifeless” um nur mal ein paar davon zu nennen. Wie kam es zu dem Deal und werdet ihr auch in Zukunft mit ihnen zusammen arbeiten, oder nur für dieses Album?

Dennis: Wir haben die üblichen Promopakete an etliche Labels geschickt, u.a. natürlich auch Rico/fda. Er war dann auch einer von mehreren Interessenten für die VÖ. Für ihn entschieden haben wir uns schlussendlich aus mehreren Gründen, wie z.B. Sitz in Deutschland, einen angeschlossenen Vertrieb, rührt die Werbetrommel,… Wenn alles gut läuft und er auch weiter Bock auf neue Releases mit uns hat, bin ich nicht böse wenn wir nicht wieder anfangen müssten uns ein neues Label zu suchen.

 

Damit ich jetzt nicht nur Fragen zur Musik stelle, das tun alle anderen auch. Was macht ihr neben “Reckless Manslaughter”? Also im privaten, Job, was auch immer, insofern ihr es erzählen wollt.

Dennis: Jetzt gerade liege ich z.B. nur faul im Garten – hahahaha. Ansonsten bereise ich gerne die verschiedensten Ecken dieser Welt (weshalb wir auch schon ein paar Konzertanfragen ablehnen mussten) um möglichst viele verschiedene Menschen, Kulturen und Gegenden kennenzulernen. Und ich höre, völlig überraschend, relativ gerne Musik.

Leimy: Ich bin Systemadministrator bei einer Behörde und schreibe nebenbei noch ein wenig für das Printmagazin “Deaf Forever”, wenn es meine Zeit zulässt. Ansonsten reise ich für coole Death Metal-Konzerte oder Festivals auch schon mal um die halbe Welt und investiere jeden Cent und jede Minute Freizeit irgendwie in Death Metal 😉

 

Quickies (Antwortet so kurz wie möglich):

Fuß vom Schwein oder Kopf vom Salat?

Dennis: Salatkopf

Leimy: Ich bin karnivor durch und durch. Von daher ganz klar: Fuß vom Schwein, am besten nach 8 Stunden im Smoker, hahahaha.

 

50-Besucher-Kneipengig oder 20000+ Festival?

Dennis: Als Besucher: Kneipengig. Als Musiker: Das große Festival, einfach um es mal erlebt zu haben. Aber auch da sind die Kneipengigs völlig in Ordnung!

Leimy: Ganz klar Kneipengig. Ich fühle mich auf Großveranstaltungen grundsätzlich immer eher unwohl.

 

Metal only oder hört ihr privat auch Anderes?

Dennis: 95% dürfte Metal sein. Hin und wieder auch etwas Blues oder sowas wie Björk.

Leimy: 100% Metal und davon 95% Death Metal 😉

 

Jack (Destillat aus Gerstenmalz) oder Johnny (Räucherstäbchen aus Hanf)?

Dennis: Jack

Leimy: Weder noch, ich bin reiner Biertrinker 😉

 

Live zu spielen ist für uns,
  1. einfach geil und machen wir so oft es geht
  2. notwendiges Übel um nicht vergessen zu werden und Merch zu verkaufen
  3. gehört einfach dazu, macht aber nicht immer Spaß
  4. Stress pur

Dennis und Leimy unisono:  1!

 

Die Bühne gehört jetzt euch und ihr dürft los werden was ihr wollt und ich noch nicht gefragt habe.

Leimy: Wir werden unser Bestes geben nicht wieder sechs Jahre ins Land ziehen zu lassen für ein weiteres Album. Außerdem werden wir zum Ende des Jahres noch ein Vinyl-Release von „Caverns Of Perdition“ nachlegen. Haltet einfach unsere Homepage www.recklessmanslaughter.com im Auge. Danke an alle, die uns bislang supportet haben, ihr seid die Geilsten!

 

Ich sage mal sehr herzliches Dankeschön für eure Zeit, macht weiter wie bisher (nur mehr davon 😛 ) und ich hoffe, die Fragen waren nicht allzu Merkwürdig, die üblichen Standardfragen soll doch jemand anderes Stellen.

Leimy: Vielen Dank für dieses coole und erfrischend andere Interview!

 

 

Links zur Band:

   

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.