Damnation Defaced

 

 

Stellt ihr euch denjenigen denen ihr noch nicht in die Ohren geraten seid eben kurz vor?

Philipp: Wir sind “Damnation Defaced” aus Norddeutschland und ballern seit geraumer Zeit einen zauberhaften Mix aus groovenden Death, Melodic Death mit einer Prise Sci-Fi Ambiente und Tempo.

 

Euch gibt es da bereits seit Ende 2006. Ich muss gestehen, ich hab euch erst Mitte August 2019, kurz nach Release eurer nunmehr 4ten Scheibe “The Devourer”, eher per Zufall auf Bandcamp gefunden. Durch das Artwork und das Logo bin ich aber eher von einer Brutal Death Metal Kombo ausgegangen. Was ich dann aber zu hören bekommen hab, hat mich dann doch eher überrascht, kein Brutal Death Metal oder DeathCore, sondern ordentlicher Melodic Death Metal, aber der härteren Schiene. Bei euren 2 Vorgängeralben “Invaders from Beyond” (2017), ganz besonders aber bei der “The Infernal Terror” von 2015 ging es mir ebenso. Sorgt ihr da absichtlich für Verwirrung?

Philipp: Eigentlich überhaupt nicht, die Artworks haben zwar bestimmt stilistisch Überschneidungen mit den von Dir genannten Genres aber resultieren ja mehr aus der Zeit des klassischen skandinavischen Death und Melodic Death Metal der 90er.

 

Ich muss sagen, vom Sound her, ist “The Devourer” eure bisher beste Scheibe, besonders die Drums kommen diesmal, im Vergleich zu den Vorgängern, sehr wuchtig daher ohne dabei zu dominant zu werden. Es hört sich allerdings auch generell so an, als wärt ihr die Tonleiter etwas abgestiegen.

Lucas: Wir haben uns diesmal bereits im Vorfeld viel Zeit genommen Fellkombinationen usw. auszuprobieren und uns auch sehr viel Zeit im Studio für Tuning und allgemein den Drumsound genommen. So hatten wir beispielsweise einen Haufen Snaredrum aus meinem und dem Studiobestand zum probieren. Darüber hinaus haben wir für alle Trommeln diverse Mikrofone ausprobiert. So haben wir diesen Sound erreicht mit dem auch ich sehr zufrieden bin nach wie vor.

 

Wie ich gesehen hab, seid ihr sowohl vor wie auch hinter den Kulissen recht stabil, jedenfalls gab es relativ wenige Memberwechsel bei euch und die Produktion der Alben machen auch so ziemlich die gleichen Leute. Wie kam es jetzt bei der “The Devourer” zu fast schon einem Quantensprung im Sound, jedenfalls hören sich auf Bandcamp eure Vorgänger Alben doch erheblich anders an, in den Videos zur “Invaders from Beyond”-Scheibe ist der Unterschied dann komischerweise nicht mehr ganz so groß (ob da Bandcamp was verkackt hat?), wenn sich doch eigentlich nicht viel bis gar nichts geändert hat?

Philipp: Man muss einfach sagen, dass wir eine Band sind, die sich mit Anfang 20 zusammen getan hat und kontinuierlich in allen Belangen gereift und gewachsen ist. Sei es Songwriting, Technik oder auch finanzielle Mittel um Produktionen zu realisieren, wie wir uns sie vorstellen und seit “Invader from Beyond” umsetzen können. Als Student verfügst Du einfach nicht über die Ressourcen ein Album und auch Videos produzieren zu lassen, die mit den großen Mithalten können. Bezüglich der wenigen Wechsel kann ich nur sagen, dass wir immer das Glück hatten, als fünf enge Freunde zusammen Musik zu machen, für die die Band einen enorm wichtigen Teil im Leben und der eigenen persönlichen Entwicklung darstellt. Das schweißt zusammen!

 

Mit “Tiefenrausch” finden wir dieses Mal sogar einen Song mit (fast) deutschen Texten, das gefällt mir immer sehr, keine Ahnung warum. Kann man da in Zukunft mehr dieser Art erwarten?

Philipp: Ich hätte tatsächlich gedacht, dass der Song viel mehr polarisiert, aber das Gegenteil ist der Fall, die Resonanz ist wirklich sehr sehr positiv. Lyrics auf Deutsch sind vor allem im Death Metal immer ein schmaler Grad zwischen cool und total albern, aber ich denke, dass uns das gut gelungen ist uns lyrisch anspruchsvoll auszudrücken und dem Song und der Story dadurch mehr und vor allem einen besonderen Ausdruck verleihen konnten. Ich denke schon, dass das nicht der letzte Song auf Deutsch gewesen sein wird, aber es gibt kein Gesetz, dass jedes kommende Album mindestens einen Song in unserer Muttersprache beinhalten muss.

 

Live seid ihr ja, im Vergleich zu manch anderen, nicht gerade die aktivsten, um die 6-8 Gigs pro Jahr, mal mehr mal weniger, außer 2017, da waren es erheblich mehr. Wollt/könnt ihr nicht so oft, oder will man euch nicht?

Philipp: Dadurch dass wir mittlerweile alle berufstätig sind und unsere Zeit sehr kostbar für uns ist, sind wir etwas wählerischer geworden und haben auch eine gewisse Erwartung an die Shows. Wir haben früher häufiger die Ochsentouren gemacht und dann auch Abende mit 5 Bands vor 25 Leuten erlebt. Das soll nicht heißen, dass wir auch bei solchen Shows nicht auf der Bühne wie Schmitz Katze eskaliert sind, aber wie Du Dir denken kannst, hat man da irgendwann nicht mehr so den Bock drauf 500km für solche Gigs durch die Republik zu fahren. Zudem reisen wir heutzutage mit eigenem Soundmann und zusätzlichem Licht, weil wir unseren Zuschauern einen tollen Sound und Show garantieren wollen, entsprechend sind die Fixkosten gestiegen, sodass wir nicht mehr für Sprit und ne Kiste Bier uns anbieten können und wollen. Aber wir sind generell immer für jede Show dankbar und schauen natürlich auch, wie wir das Thema Tour auch außerhalb von Deutschland nach Vorne bringen können.

Lucas: Zusätzlich zu dem was Philipp sagt, denke ich, dass mit dem neuen Album wieder mehr Shows kommen werden. Die Resonanzen sind sehr gut bisher und die Shows mit dem neuen Material waren auch alle sehr geil! in der zweiten Hälfte 2018 haben wir dann auch schon alles etwas zurück gefahren, da klar war, dass wir Songs schreiben müssen ;-).

 

Stellenweise hab ich so den Eindruck ihr wäret eine Art “Amon Amarth”-in-Space. Sind doch gerade die Vocals gar nicht so weit voneinander entfernt (wenn sich für manch einen eh alle Vocals im Death Metal gleich anhören). Würdet ihr das ähnlich sehen?

Philipp: Das höre ich tatsächlich häufiger, kann es aber eigentlich bis auf die groovenden Parts und die tiefen Growls überhaupt nicht nachvollziehen. Dennoch empfinde ich es als Kompliment mit einer so erfolgreichen und seit Jahrzehnten abliefernen Band verglichen zu werden. Aber als Inspiration oder Einfluss von DD sind “Amon Amarth” definitiv nicht zu nennen.

Lucas: Ich finde es immer wieder interessant, mit was man so als Band assoziiert wird. Erstaunlicherweise sind das in den seltensten Fällen Bands mit denen man sich selber vergleichen würde.

 

Was treibt man bei “Damnation Defaced” neben der Band so, wenn ihr es verraten wollt? Die Band ist sicherlich nicht alles im Leben, wenn es natürlich doch ein großer Teil davon ist. Und was geht für euch vor Band, privat Leben, Job, sonstiges?

Philipp: Ach bei uns ist alles vertreten, vom Elektrotechniker, Tontechniker über Schlosser bis hin zu Medien-Kaufleuten/Informatiker. Auch wenn die Band einen sehr großen und vor allem emotionalen Teil unserer Leben einnimmt, sind wir alle sehr froh über unsere festen Jobs und Einnahmequellen um überhaupt Musik auf dem Niveau zu machen, wie wir sie machen, denn wenn Metal machen eines ist, dann ein teures Hobby haha.

 

Jetzt aber mal zu etwas ganz Anderem. Momentan gibt es ja im (Brutal) Death Metal und im Metal allgemein eine Art Umbruch (jedenfalls kommt es mir so vor). Bands distanzieren sich von ihren älteren Werken weil sie zu frauenfeindlich oder gewaltverherrlichend sind (z.B. Vulvodynia, Devourment). Bands brechen Auftritte ab weil eine Frau beim Crowdsurfen falsch angefasst wird (ob beabsichtigt oder nicht, sei mal dahin gestellt). Dann eine Distanzierung gegenüber Allem was auch nur in irgendeiner Art “rechts” angehaucht sein könnte. Ein Artikel bei Kerrang! gab es diesbezüglich auch schon und natürlich jede Menge Ansagen von Bands während Auftritten. Wie seht ihr das als Band und Hörer?

Philipp: Prinzipiell kann ich es nur gut heißen, dass die Leuten reflektierter mit dem umgehen, was sie so von sich geben. Grade beim Thema rechtes Gedankengut kann und darf es keine zwei Meinungen geben! Dazu stehen wir zu 100% auch wenn wir es in unserer Musik nicht thematisieren. Beim Thema Gewalt sehe ich das mitunter ein bisschen differenzierter, da Metal schon immer mehr Unterhaltung und Fiktion wie Horrorfilme war, als zum Beispiel Hip Hop in dem Botschaften viel einfacher und schneller transportiert, verinnerlicht und fehlinterpretiert werden können. Dennoch muss man keine Texte über Vergewaltigen von Kinderleichen machen nur um damit zu provozieren.

 

Quickies (Antworte so kurz wie möglich):
Kopf vom Salat oder Arsch vom Mensch? (Essen)

Philipp: Kopf vom Salat trotz Fleischfresser

Lucas: Salat.

 

50-Besucher-Kneipengig oder 20000+ Festival?

Philipp: 20k Festival

Lucas: 20k Festival.

 

XMetal/XCore only oder hört ihr privat auch Anderes?

Philipp: Ich höre sehr gerne elektronische Musik, vor allem wenn sie Brutal und düster ist

Lucas: Anderes.

 

Jack (Destillat aus Gerstenmalz) oder Johnny (Räucherstäbchen aus Hanf)?

Philipp: Lieber Johnny aber nur selten und zum Bier

 

Live zu spielen ist für uns,
  1. einfach geil und machen wir so oft es geht
  2. notwendiges Übel um nicht vergessen zu werden und Merch zu verkaufen
  3. gehört einfach dazu, macht aber nicht immer Spaß
  4. Stress pur

Philipp: Definitiv Live spielen so häufig es geht! Es gibt keine größere Erfüllung als das Geschaffte den Leuten von der Bühne in die Fresse zu kloppen 😉

Lucas: 1 😉

 

Ich klinke mich hier jetzt aus und überlasse euch die Bühne, damit ihr los werden könnt was auch immer ihr los werden wollt, denn ihr habt ja bestimmt auch was zu sagen, was bisher nicht gefragt wurde, sei es von mir oder anderen.

Philipp: Nur der BVB!

Die Fragen waren sehr erfrischend und jeder Zeit gerne wieder. Vielen Dank für Dein/Euer Interesse und checkt unser neues Album “The Devourer” aus, wenn Ihr Bock habt viel zu entdecken, offen für elektronische Sci-Fi Sounds seid und auf Bands wie “Gojira”, “At the Gates” und dergleichen steht!

Lucas: Bingo Bongo!

 

 

 

Links zur Band:

     

 

 

 

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