Necrotted

 

 

Trotz Weihnachts- und Neujahrsnachwehen, jedenfalls bei mir, hat sich Fabian von Necrotted dazu bereit erklärt meine gewohnt schlecht geschriebenen und gar nicht recherchierten Fragen zu beantworten.

 

Es soll ja Leute geben, denen ihr in euren 12 Jahren und zahlreichen Auftritten noch nicht zu Ohren gekommen seid. Denen sagt doch mal fix, wer ihr seid.

Fabian: Wir sind Necrotted aus dem schönen Abtsgmünd im Süden Deutschlands (Baden-Württemberg) und seit 2008 unterwegs, um die Welt mit Death Metal zu beschallen. 3 Alben und 2 EPs haben wir seit unserer Gründung veröffentlicht und unzählige Live-Auftritte absolviert. Wer bisher noch nichts von uns gehört hat, wird dies hoffentlich in Zukunft.

 

Eigentlich seit Anfang letztem Jahr und offiziell seit kurz vor Weihnachten seid ihr ja “nur” noch zu fünft statt zu sechst unterwegs. Könnt ihr da zu den Gründen etwas genauer werden und plant ihr wieder aufzustocken oder bleibt ihr in der Konstellation? Erschreckend stabil seid ihr als Band ja bisher schon gewesen.

Fabian: Wir waren das ganze Jahr 2019 bereits zu fünft unterwegs, da sich mein Sängerkollege Pavlos aus Gründen, die im privaten Bereich liegen, eine Auszeit gönnen musste. Ende des Jahres hat sich herauskristallisiert, dass er nicht zurückkehren wird. Aus Sicht der Band war das Jahr 2019 dennoch sehr erfolgreich. Wir werden daher in der jetzigen Konstellation weitermachen und als Kombo natürlich auch weiterhin stabil bleiben.

 

Ich kann mir auch vorstellen, dass durch den Wegfall von Pavlos bei den Vocals es gar nicht so einfach wird, den einen oder anderen Song live zu spielen, denn ihr habt ja doch in einigen recht ausgeprägt mit zwei Stimmen gearbeitet, egal ob im Wechsel oder zeitgleich.

Fabian: Da sehen wir überhaupt keine Probleme, denn – wie bereits erwähnt – haben wir schon sämtliche Shows im Jahr 2019 zu fünft bestritten. Das waren nicht gerade wenige und doch hat stets alles wunderbar und einwandfrei funktioniert.

 

Mir ist aufgefallen, dass ihr im Video zu “Six Feet Deep, No Party To Steep” noch Videomaterial vom Death Feast Open Air 2018 eingebunden habt. Hattet ihr nicht mehr genug Aktuelles, oder war es mehr Resteverwertung damit es auch mal genutzt wurde?

Fabian: Wir haben ganz bewusst einige Auftritte im Jahr 2018 mit mehreren Kameras filmen lassen, um Videomaterial für die Songs unserer neuen EP “Die For Something Worthwhile” zu haben, die wir ja auch schon im Sommer/Frühherbst 2018 aufgenommen haben. Das Video zum Titelsong der EP besteht beispielsweise ausschließlich aus Live-Aufnahmen von unserer Show auf dem Summer Breeze Open Air 2018. Es hat also mehr mit vorausschauender Planung als mit Resteverwertung zu tun. Man hat ja auch nicht bei jedem Konzert mehrere Kameras und Leute, die diese bedienen, dabei.

 

Seit der “Worldwide Warfare” seid ihr ja bei Rising Nemesis Records, worüber auch die “Die For Something Worthwhile”-EP erschien. Bleibt ihr auch in Zukunft bei dem Label und inwieweit unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit einem Label, wenn dessen Chef selbst auch aktiv in einer Band (Carnal Decay) ist und somit beide Seiten kennt?

Fabian: Die Frage, ob und wie es mit einer zukünftigen Zusammenarbeit mit Rising Nemesis Records aussieht, können wir ehrlich gesagt zum aktuellen Zeitpunkt gar nicht beantworten. Der Plan bis dorthin existiert nämlich noch gar nicht. Zuerst machen wir uns nun mal wieder ans Songwriting und dann schauen wir weiter.
Einen Unterschied in der Zusammenarbeit mit dem Label, wenn der Boss selbst in einer Band aktiv ist, können wir auch nicht wirklich festmachen. Sowohl mit Robby (Supreme Chaos Records) und Nasar (Rising Nemesis Records) verstanden und verstehen wir uns bis heute super!

 

Apropos “Die For Something Worthwhile”: Nicht nur der Sound, auch die Songs an sich sind doch schon etwas anders als noch auf der “Worldwide Warfare” und den Scheiben davor. Das kann ja eigentlich nicht nur am Wechsel des/der Produzenten gelegen haben. Werdet ihr die Richtung beibehalten und wann kommt ein neues Album?

Fabian: Wir schreiben unsere Musik komplett selbst, das ist uns sehr wichtig. Einen großen Einfluss auf die Ausgestaltung der Songs hatten und haben unsere Produzenten daher nicht. Dennoch pflichte ich dir bei. Die Songs auf “Die For Something Worthwhile” heben sich durchaus von unseren anderen Kompositionen ab. Wir haben beim Songwriting bewusst experimentiert und wollten etwas Neues ausprobieren, ohne zu sehr von unserem altbekannten Stil abzuweichen. Ich finde, das ist uns ganz gut gelungen und auch die Fans nehmen die neue EP sehr wohlwollend auf. Auch auf zukünftigen Werken wollen wir uns stetig musikalisch weiterentwickeln, aber eine gewisse Eigenmarke behalten. So auch auf unserem nächsten Album, welches aber allerfrühestens in über einem Jahr erscheinen wird.

 

Eure ersten zwei Scheiben, wenn man die erste EP mitnimmt, hatten ja eher eine mythologische, die “Utopia 2.0” eher soziologisch, futuristische Ausrichtung und die “Worldwide Warfare” und “Die For Something Worthwhile” behandelten mehr Krieg, Revolution und die Frage nach dem Sinn dahinter. Eigentlich sollte sich ja jetzt die nächste Scheibe wieder einem neuen Gebiet widmen, oder?

Fabian: Unsere bisherigen Veröffentlichungen waren bisher alles mehr oder weniger Konzeptwerke, ja. Demnach wird einem neuen Album aller Voraussicht nach auch wieder eine bestimmte Konzeption zugrunde gelegt sein. Was für einem Gebiet sich die nächste Scheibe allerdings widmen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Wie schon geäußert, es besteht noch nicht mal eine konkrete Planung und wir fangen gerade überhaupt erst mit dem Songwriting an. Das inhaltliche Konzept folgt sowieso erst, wenn der musikalische Rahmen steht. Auf jeden Fall werden sich zukünftige Songs – auf metaphorische oder sehr deutliche Weise – aber auch weiterhin mit Gesellschafts- und Wirtschaftskritik, mit Ethik und Moral, mit Politik und mit philosophischen Themen beschäftigen. Musik ist unter anderem auch ein Sprachrohr und dieses wollen wir nutzen, weil wir als Band der Welt etwas zu sagen haben. Bedeutungslose Gore- und Splatter-Texte wird es mit Necrotted jedenfalls nicht geben.

 

Da die wenigsten von einer Death Metal-Band leben können, geh ich mal davon aus, ihr verdient eure Brötchen mit anderen Dingen. Wollt ihr verraten, was ihr neben der Band “hauptberuflich” so treibt?

Fabian: Das stimmt. Musik ist und war für uns immer nur ein Hobby und daher haben wir selbstverständlich alle auch noch “normale” Jobs. Mein Bruder Philipp hat Online-Medien-Management studiert und ist nun hauptberuflich in der Musikbranche tätig. Koray promoviert gerade in Politikwissenschaften und arbeitet nebenbei als Dozent an der Universität Tübingen. Johannes arbeitet als Bankkaufmann. Markus hat kürzlich seinen Master-Abschluss im Studiengang Maschinenbau absolviert und arbeitet jetzt als Programmierer und Entwickler. Ich selbst habe Politikwissenschaften und Soziologie studiert und bin seit 2015 als Gewerkschaftssekretär für die IG Metall am Bodensee unterwegs.

 

Was habt ihr für 2020 so geplant? Live steht ja noch nicht so viel im Kalender bei euch, außer dem M.I.S.E. Open Air und der Death Coffee Party, konnte ich jedenfalls nichts Festes finden.

Fabian: Mittlerweile haben wir noch weitere Konzerte bestätigt und die Ankündigungen für einige andere Festivals stehen noch aus. Wir haben auch 2020 wieder vor, live eine hohe Präsenz zu zeigen. Denn wir sind einfach eine Live-Band, Auftritte machen uns unglaublich viel Spaß. Ich denke, das merken bei jeder Show auch die Leute im Publikum.

 

Mal was ganz Anderes, dieses “Neuland” Internetz. Wie steht ihr zu Spotify und Co. und den dadurch entstandenen Veränderungen in der Musikszene? Jedenfalls behaupte ich mal, dass es dadurch Veränderungen gab. Früher waren Konzerte und Touren eher als Promo für ein Album zu sehen, heute ist es eher umgekehrt. Und das Angebot ist geradezu explodiert und kaum bis gar nicht mehr zu überschauen.

Fabian: Ich glaube, dass sich die Musikszene dahingehend verändert hat, dass sie viel schnelllebiger geworden ist. Kleine und große Bands und Künstler/innen kommen und gehen und Musik wird auch nicht mehr so wertgeschätzt wie noch vor ein paar Jahren. Zu dieser Entwicklung hat das Internet wohl den größten Teil beigetragen. Andererseits bietet diese weltweite Vernetzung aber auch viele Chancen. Man muss eben zwangsweise mit der Zeit gehen, sonst geht die Zeit ohne dich.

 

Quickies (Antworte so kurz wie möglich):

Kopf vom Salat oder Fuß vom Schwein? (Essen)

Fabian: Ich nehme den Salat, bin Vegetarier.

 

50-Besucher-Kneipengig oder 20000+ Festival?

Fabian: Beides hat seinen ganz eigenen Charme, ich liebe aber persönlich besonders die Auftritte auf Open Air-Festivals.

 

XMetal/XCore oder hört ihr privat eher anderes?

Fabian: Unser aller Musikgeschmack ist mittlerweile so aufgeschlossen, dass wir jeder Spielform des Rock, Metal oder Core als auch anderen Musikrichtungen gegenüber total offen sind.

 

Jack (Destillat aus Gerstenmalz) oder Johnny (Räucherstäbchen aus Hanf)?

Fabian: Jack.

 

Live zu spielen ist für uns,
  1. einfach geil und machen wir so oft es geht
  2. notwendiges Übel um nicht vergessen zu werden und Merch zu verkaufen
  3. gehört einfach dazu, macht aber nicht immer Spaß
  4. Stress pur

Fabian: Ganz klar Punkt 1! An die verschiedensten Orte zu reisen, neue Leute kennenzulernen und live gemeinsam den Emotionen freien Lauf lassen zu können, ist mitunter der Hauptgrund, warum wir Musik machen.

 

Ich klinke mich hier jetzt aus und überlasse euch die Bühne, damit ihr los werden könnt was auch immer ihr loswerden wollt, denn ihr habt ja bestimmt auch was zu sagen, was bisher nicht gefragt wurde, sei es von mir oder anderen.

Fabian: Erstmal vielen lieben Dank für das Interview! Und an alle Menschen da draußen: Wir hoffen, wir sehen uns in diesem Jahr bei einem oder mehreren unserer Live-Auftritte. Für ein Bier und ein nettes Gespräch nach der Show am Merchstand sind wir immer zu haben und wir freuen uns jedes Mal neue Leute kennenzulernen.

 

 

 

 

LineUp:

Philipp Fink – Guitar

Johannes Wolf – Guitar

Fabian Fink – Vocals

Markus Braun – Drums

Koray Saglam – Bass

(v.l.n.r)

Links zur Band:

     

 

 

 

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