Wertlose Mitte?

Nein, hiermit meine ich nicht die Equalizer-Einstellungen, sondern die Mitte Deutschlands.

Wenn ich mir Tourdaten (speziel Euro-Touren) so anschau, gehts meistens entweder aus Richtung Frankreich über das “erweiterte Ruhrgebiet” (Köln-Düsseldorf-Dortmund) Richtung Hamburg in den Norden, Zwischenstop in Berlin, dann gehts oft über Polen nach Tschechien, macht noch mal einen Schlenker über München, mit Glück vorher noch Dresden bis Erfurt, um dann Richtung Österreich, Tschechien wieder in den Süden und Süd-Osten Europas zu entschwinden. Oder halt das Ganze andersherum. Zwischenstops in Hessen (ausser wirklich Grossen oder Verzweifelten, in Frankfurt, evtl. noch Wiesbaden), Rheinland-Pfalz oder gar dem Saarland sucht man meist wie die Liebe im Puff.

Klar, aus Tourplaner-Sicht macht es so Sinn, die potenzielle Besucherzahl ist so mit recht wenigen Stops optimal abgedeckt.

Aus Fan-Sicht, als jemand der mittig zwischen Koblenz und Wiesbaden sein Lager aufgeschlagen hat, ist es frustrierend.

Ich geh jetzt einfach mal von einem Besuch im “erweiterten Ruhrgebiet” aus, denn da ist in 99,99% der Fälle ein Tourstop und liegt noch am nächsten im oben beschriebenen Scenario.

Klar, es gibt eine total schnelle ICE-Verbindung zwischen Frankfurt und Köln. Kostet aber auch nur 40-60€ pro Strecke und die Fahrt von Köln nach Düsseldorf, Essen oder sonst wohin in der Ecke kommt halt noch dazu. Die Konzerthallen liegen aber auch nicht immer in der Nähe eines Hauptbahnhofs. Nimmt mann die “normale Bahn”, macht man ein tagesfüllendes Abenteuer daraus, mit einer handvoll Umstiegen und mit Pech einigen Stunden gammeln am Bahnsteig. Ist zwar günstiger, Hotel oder pennen am Bahnsteig spart man aber trotzdem nicht wirklich, denn nach 0Uhr (da enden ja in der Regel die Veranstalltungen) fährt einfach Nichts mehr Überregionales (auch kein ICE).

Nimmt man das Auto, fährt man mal eben 1,5-2 Stunden, wenn es halbwegs frei ist auf der Autobahn und nicht wieder die Bauwut der Autobahnmeisterei, der besoffene LKW-Fahrer der meint er müsse sich bergauf mal eben ganz links (bei 3 Spuren) ein Elefantenrennen mit 2 anderen, nicht weniger Besoffenen liefern (da is ja eh meist nur LKW-Überholverbot, LKWs dürfen also nicht überholt werden) oder sonst ein Mist die Reise in die Länge zieht. Saufen darf man dann natürlich auf dem Konzert auch nur Wasser, Cola, Fanta oder sonstige nicht führerscheingefährdenen Getränke des Vertauens. Oder man findet einen netten Deppen der gerne mehrere Stunden Chaufeur spielt, da auch hin will und eine Alkoholallergie hat.

Das Auto ist in den meisten Fällen, vorallem wenn man mit Mehreren fährt, die, trotz Allem (Spritkosten, Fahrzeit, “Wir wollen das die Leute mehr Bahn und Bus fahren”) die günstigere, schnellere und nervenschonendere Variante. Naja, je nach dem für den Fahrer nicht, aber das juckt ja den/die heiteren Beifahrer nicht, schon gar nicht auf dem Rückweg, wenn das geile Konzert viel zu schnell vorbei war und noch im Auto weiter gehen muss. Der Fahrer kommt ja auch irgendwann mal in den Genuss Beifahrer zu sein, hinter dem Steuer sitzt trotzdem meist das gleiche Gesicht. Geschlafen wird in dem Fall aber in den eigenen Federn, ausser…. denkt euch euren Teil 😀

Ok, genug geflennt.

Aber woran liegt´s? Zu wenig Veranstalltungsorte in der Ecke? Glaub ich kaum, an relativ Bekannten gäbs da schon mal die Batschkapp in Frankfurt, das JuZ in Andernach, das Jokus in Gießen, Schlachthof in Wiesbaden, Circus Maximus in Koblenz, Alexander the Great in Mainz, die alte Seilerei in Mannheim, und ganz sicher zig andere, wenn auch kleinere Locations.

Irgendwie hab ich so das Gefühl, dass seit dem die Hafenbahn in Offenbach 2002 geschlossen wurde, es doch recht Mau geworden ist im Rhein-Main-Gebiet mit härteren Gitarren. Gab es dort doch jährlich einen Stop der “No Mercy”-Festivaltour (gibt es seit 2007 nicht mehr), eigentlich mindestens 1 mal im Monat ein Metalkonzert (auch die härteren Gangarten wie Death oder Black) und eben auch die grossen internationalen Bands, Amon Amarth bevor sie komplett in die Vikingerschiene gefallen sind, Cannibal Corpse hab ich dort mindestens 3 mal gesehen inkl. No Mercy, Marduk (auch 2 mal dort gesehen), Mortician, Hypocrisy, und viele, viele mehr. Leider muss ich gestehen Hammerfall auch. Und das Alles gerade mal innerhalb von 3 Jahren, 1999 bis 2002 als Dicht gemacht wurde. Ok, war auch fast alle 2 Monate dort weilt was spielte was ich sehen wollte. Schau ich mir heute die Konzertpläne der Läden im Rhein-Main-Gebiet bis Koblenz/Andernach und Gießen an, gibt es da Metal (fast egal welche Richtung) gerade mal 3-4 im Jahr pro Location auf die Ohren. Und dann is da trotzdem Essig mit Death- und erst recht mit Black-Metal. Ob das wohl damit zu tun hat, dass die meisten dieser Läden unter politisch linker bis autonomer Führung stehn? Nur so ein Gedankengang. Dafür sehe jede Menge Alternativ-Rock, Poetry-Slams, Lesungen, Comedy oder um das Ganze noch schlimmer zu machen Hip-Hop und Elektro. Böse Menschen könnten denken, dass dies auch mit dem Gedankengang von Eben zusammenspielt. Bin ja eigentlich eher in der politischen Mitte, denke ich jedenfalls von mir, aber wenn ich höre, dass Bands Auftrittverbote verpasst bekommen, weil auf vorherigen Gigs Besucher T-Shirts von unerwünschten Bands getragen haben und diese Bands auch noch Fotos davon im Netz haben…. soviel kann ich gar nicht saufen und/oder fressen wie ich kotzen möchte.

Was´n da los? Will da keiner spielen? (Ok, bei manch einem Verein würde es mich nicht wundern) Gibt es nicht genug Bands in der Region? Will da kein Besucher hin? Lohnt es sich für die Betreiber nicht?

Spielwillige Bands gibts in der Region glaube ich mehr wie genug und Überregional erst recht. Kenne genug Bands die eigentlich immer auf der Suche sind um Live mal die Sau raus zu lassen und einfach nichts finden. Wenn dort (oben genannte Locations) mal was stattfindet, sind die Konzerte auch meist recht gut Besucht oder sogar Ausverkauft. Bei Memoriam war das JuZ in Andernach voll. Und über Getränkeumsatz brauch man sich ja wohl gerade im Metal wirklich keine Sorge machen als Veranstalter. Und um die Sicherheit auch nicht wirklich, da sieht es in anderen Szenen wirklich um ein vielfaches schlimmer aus. Jedenfalls sind mir ausser ein paar Alk-Zombies noch auf keiner Metalveranstalltung irgendwelche Sachen negativ im Hirn hängengeblieben. Was bleibt also den Bands? Den “Unbekannten” dann wohl nur Kneipengigs (die dann aber nicht immer so gut besucht sind wie sie könnten, denn der Besucher will ein “richtiges” Konzert, und das gibts eben nicht in der kleinen Kneipe um die Ecke mit 30-50 Plätzen), Proberaumpartys oder man fährt in die Gegenden wo noch was geht und legt mit Pech noch bei den Fahrkosten drauf.

So, wer bis hierhin gelesen hat, RESPEKT. Aber hier ist ENDE.

 

 

Noch nicht so ganz. Einen geb ich euch noch auf den Weg, vorallem den Veranstalltern/Bookern und Locationbetreibern und denen die es noch werden wollen:

 

SUPPORT your Local, habt Mut zur Mitte und gebt dem Tod eine Chance.

 

 

 

 

 

 

 

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